23.01.2008 – Interview der Westfalenpost Schwelm mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden Oliver Flüshöh

23.01.2008
Optimist will Eiertänze vermeiden

Interview der Westfalenpost Schwelm mit dem neuen Fraktionsvorsitzenden Oliver Flüshöh

Vor ca. einer Woche wählte die CDU-Ratsfraktion Oliver Flüshöh einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden. Als Nachfolger des verstorbenen Paul Frech steht der 32-jährige Vater einer vier Monate alten Tochter in der Ratssitzung am 14. Februar erstmals im Vordergrund. WP-Redakteur Steffen Gerber wollte den verheirateten Rechtsanwalt und gebürtigen Hagener in einem Interview kennenlernen.

Frage: Herr Flüshöh, wie fühlen Sie sich als Nachfolger von Paul Frech und als sehr junger Vorsitzender der stärksten Fraktion im Schwelmer Rat?

Oliver Flüshöh: Ein bisschen stolz bin ich schon, habe aber schon Respekt vor der Aufgabe. Als Nachfolger von Paul Frech kann ich dessen Aktivitäten und Wissen natürlich nicht aufweisen. Grundsätzlich bin ich aber Optimist. Ich werde etwas Zeit brauchen, um mich in dieser Aufgabe zurechtzufinden. Ich werde meinen Weg aber gehen. Generell müssen wir die Aufgaben auf viele Schultern verteilen.

Frage: Welchen Kontakt hatten Sie zu Paul Frech?

Flüshöh: Der Mann war ein Phänomen. Man kann sich kaum vorstellen, wieviele Funktionen er innehatte, über welchen Durch- und Einblick er verfügte, auf welche Informationsquellen er zurückgreifen konnte. Ich habe ihm viel zu verdanken und lernen können, wie man Fraktionsarbeit koordiniert. Er hat mich als jungen Politiker herangezogen und in Ausschüsse gesetzt, so dass unser Verhältnis immer intensiver wurde.

Frage: Wie kamen Sie denn überhaupt zur Politik?

Flüshöh: Während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann in der Sparkasse Gevelsberg habe ich bei der Jungen Union in Ennepetal mitgearbeitet. Dabei komme ich aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie, mein Onkel ist zum Beispiel Leiter des Büros von Hagens Oberbürgermeister Peter Demnitz (SPD). Mir sagte aber die eher etwas konservativere CDU mit ihren Grundwerten und der Ausrichtung an der sozialen Marktwirtschaft mehr zu.

Frage: Dann sind Sie ja so etwas wie das "schwarze Schaf" der Familie. Wie kamen Sie denn dann nach Schwelm?

Flüshöh: Ich wollte die Pendelei während meines Jura-Studiums in Marburg beenden, also zog ich mit zu meiner damaligen Freundin und heutigen Frau nach Schwelm und studierte in Bochum weiter. Von hier aus nehme ich seit 2005 auch meine Referatsleiter-Arbeit bei der kommunalpolitischen Vereinigung der CDU in Recklinghausen wahr, so dass ich auch hauptberuflich mit Politik zu tun habe.

Frage: Der Bürgermeister hat beim CDU-Neujahrsempfang das Kollegialitätsprinzip hervorgehoben. Teilen Sie dies?

Flüshöh: Ja. Ich werde versuchen, einen kollegialen Führungsstil an den Tag zu legen. In Sachen Haushaltsrecht bin ich sehr kundig und als Ratsmitglied seit 2004 im Stoff, wobei ich mir ein paar Details noch aneignen werde. Ansonsten hoffe ich auch auf Informationen der Kollegen aus den Ausschüssen. Im Vordergrund werden demnächst die Haushaltsgespräche mit den anderen Fraktionen stehen.

Frage: Wie ist Ihr Verhältnis zur Schwelmer Verwaltung?

Flüshöh: Gut und informativ soll es sein. Dr. Steinrücke wird weiter von der CDU getragen. Es ist zwar häufig so, dass Fraktionschef und Bürgermeister nicht immer einer Meinung sind, aber das sehe ich nicht negativ. Wobei das hoffentlich gute Miteinander auch kritischen Umgang beinhaltet.

Frage: Ihre Wahl ist ein Generationswechsel. Wie steht es um den CDU-Nachwuchs?

Flüshöh: Diesen Wechsel, der von allen mitgetragen wird, brauchen wir dringend. Auch wir leiden unter dem allgemeinen Nachwuchsmangel, uns fehlt dazu der Mittelbau der 30- bis 40-Jährigen. Wir können das Vertrauen in die Politik wieder gewinnen, wenn wir den Kontakt zum Bürger intensivieren, regelmäßig vor Ort sind, verlässlich auftreten und Eiertänze vermeiden.

Frage: Zum Abschluss eine hypothetische Frage: Können Sie sich eines Tages das Amt des Bürgermeisters vorstellen?

Flüshöh: Ein klares Nein dazu wäre gelogen. Die Frage stellt sich im Moment aber überhaupt nicht, erst einmal will ich meine Tochter aufwachsen sehen. Und wenn wir einen Kandidaten haben, wird meinerseits keine Kampfkandidatur erfolgen. In ferner Zukunft kann und will ich nichts ausschließen. Aber wer weiß schon, was 2015 ist?!

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